Viele Menschen verbinden fruchtbare Böden automatisch mit Nutztieren. Kühe auf der Weide, Mist auf dem Feld und Gülle als Dünger gehören für viele zum klassischen Bild der Landwirtschaft. Entsprechend häufig hören wir die Frage, ob Pflanzen überhaupt ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden können, wenn keine Tiere gehalten werden.
Die kurze Antwort lautet: Ja. Die längere Antwort beginnt mit der Erkenntnis, dass Pflanzen ihre Nährstoffe nicht direkt von Tieren beziehen, sondern aus dem Boden.
Woher Pflanzen ihre Nährstoffe tatsächlich bekommen
Für ihr Wachstum benötigen Pflanzen unter anderem Stickstoff, Phosphor, Kalium, Schwefel sowie verschiedene Spurenelemente. Diese Nährstoffe nehmen sie über ihre Wurzeln aus dem Boden auf. Ob die Nährstoffe ursprünglich aus Mist, Kompost, Pflanzenresten oder verwittertem Gestein stammen, spielt für die Pflanze zunächst keine Rolle. Entscheidend ist lediglich, dass die Nährstoffe in einer Form vorliegen, die von den Wurzeln aufgenommen werden kann.
Genau hier beginnt oft ein Missverständnis. Tiere erzeugen Nährstoffe nicht selbst. Sie fressen Pflanzen, entnehmen diesen Nährstoffe und geben einen Teil davon später wieder ab. Der eigentliche Ursprung vieler Nährstoffe liegt also bereits in den Pflanzen und im Boden.
Die besondere Rolle von Leguminosen
Eine Schlüsselrolle spielen in unserem Anbausystem Leguminosen. Dazu gehören beispielsweise verschiedene Kleearten, Luzerne oder andere stickstoffbindende Pflanzen. Diese Pflanzen leben in enger Zusammenarbeit mit speziellen Knöllchenbakterien. Gemeinsam sind sie in der Lage, Stickstoff aus der Luft zu binden und für das Pflanzenwachstum nutzbar zu machen.
Damit entsteht auf natürliche Weise neuer Stickstoff im System, ohne dass dafür Tiere notwendig wären. Gleichzeitig produzieren Leguminosen große Mengen an Biomasse. Diese wird später gemulcht oder kompostiert und gelangt wieder zurück in den Boden. Dadurch tragen sie nicht nur zur Nährstoffversorgung, sondern auch zum Humusaufbau bei.
Bodenleben als eigentliche Schaltzentrale
Noch wichtiger als einzelne Nährstoffe ist für uns das Bodenleben. Ein gesunder Boden besteht aus Milliarden von Mikroorganismen, Pilzen, Bakterien und Bodentieren. Diese Organismen zersetzen Pflanzenreste und machen die darin enthaltenen Nährstoffe wieder verfügbar. Man könnte sagen, dass das Bodenleben die eigentliche Schaltzentrale der Bodenfruchtbarkeit ist.
Je aktiver diese Organismen arbeiten können, desto besser funktioniert der gesamte Kreislauf. Deshalb versuchen wir, den Boden möglichst dauerhaft mit organischer Substanz zu versorgen und vor Austrocknung zu schützen.
Unsere Erfahrungen aus der Praxis
Als bio-vegan wirtschaftender Betrieb beobachten wir seit Jahren, wie sich unsere Böden entwickeln. Dabei zeigt sich immer wieder, dass Bodenfruchtbarkeit nicht von einer einzigen Maßnahme abhängt. Viel wichtiger ist das Zusammenspiel vieler Faktoren: Humusaufbau, Mulch, Leguminosen, Pflanzenvielfalt und ein aktives Bodenleben.
Natürlich ist dieser Weg nicht immer der einfachste. Manche Prozesse laufen langsamer ab als bei stark löslichen Düngern. Dafür entstehen langfristig stabile Systeme, die weniger von externen Betriebsmitteln abhängig sind.
Was wir auf unseren Flächen beobachten
Wenn wir heute über unsere Felder gehen, sehen wir, dass Bodenfruchtbarkeit nicht an die Haltung von Nutztieren gebunden ist. Entscheidend ist vielmehr, ob funktionierende Kreisläufe entstehen. Klee, Mulch, Humusaufbau und ein aktives Bodenleben übernehmen dabei Aufgaben, die viele Menschen ausschließlich mit Mist oder Gülle verbinden.
Unsere Erfahrung zeigt, dass Pflanzen auch ohne Tierhaltung ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden können. Der Schlüssel liegt nicht im Tier, sondern in einem lebendigen Boden und in der Bereitschaft, langfristig zu denken.