Wer zum ersten Mal hört, dass wir auf unseren Flächen mehrere Walnusssorten gleichzeitig anbauen, fragt oft nach dem Warum. Würde eine einzige, besonders gute Sorte nicht ausreichen? Die Antwort darauf hat weniger mit Geschmacksvorlieben zu tun als mit einem grundsätzlichen Prinzip landwirtschaftlicher Ertragssicherheit.
Wir bauen mehrere Sorten von Walnüssen an, darunter Sorten wie Franquette, Parisienne, Mars und Fernor. Das sind allerdings nur einige Beispiele aus einer deutlich größeren Sortenpalette, die auf unseren Flächen wächst, denn im Laufe der Jahre haben wir immer wieder neue, standortgerechte Sorten hinzugenommen. Der Grund dafür ist, dass diese Walnusssorten sich in ihren Eigenschaften als Tafelnuss sehr ähneln, anbautechnisch aber wichtig sind, weil es immer sein kann, dass in einem Anbaujahr eine Sorte aus irgendwelchen Gründen ausfällt oder der Ertrag geringer ausfällt, sodass das mit anderen Sorten kompensiert werden kann.
Diese Logik lässt sich mit einer einfachen Überlegung verdeutlichen: Wenn wir nur eine Sorte hätten und die dann einen sehr geringen Ertrag hat, dann hätten wir ein Problem. Ein einzelnes schlechtes Erntejahr, etwa durch einen ungünstig getimten Spätfrost, könnte bei einer Monokultur aus nur einer Sorte die gesamte Jahresernte gefährden. Bei mehreren Sorten mit leicht unterschiedlichen Blühzeitpunkten und Reifeverläufen verteilt sich dieses Risiko dagegen auf mehrere unabhängige biologische Systeme.
Botanisch betrachtet unterscheiden sich Walnusssorten unter anderem im Zeitpunkt des Austriebs im Frühjahr, in der Länge der Reifezeit im Herbst und in ihrer Anfälligkeit für bestimmte Pilzerkrankungen. Eine Sorte, die etwas später austreibt, entgeht damit möglicherweise einem Spätfrost, der eine früher austreibende Sorte im selben Jahr empfindlich trifft. Eine solche gestaffelte Blüh- und Reifezeit ist ein klassisches Prinzip der Risikodiversifizierung, wie es auch in anderen Bereichen des Obstbaus, etwa bei Apfelsorten, angewendet wird.
Für uns bedeutet Sortenvielfalt daher nicht in erster Linie geschmackliche Abwechslung, so willkommen diese auch ist, sondern vor allem betriebliche Stabilität. Eine breitere genetische Basis über mehrere Sorten hinweg macht den gesamten Hain widerstandsfähiger gegenüber den Unwägbarkeiten, die das Wetter, Schädlinge oder Krankheiten in einem einzelnen Jahr mit sich bringen können. So sichern wir nicht nur die geschmackliche Qualität unserer Tafelnüsse, sondern auch die Verlässlichkeit unserer Ernte über die Jahre hinweg.