Viele Verbraucher gehen davon aus, dass Bio-Produkte automatisch vegan sind. Schließlich stammen Obst, Gemüse, Getreide oder Nüsse direkt von Pflanzen. Was sollte daran nicht vegan sein?
Als wir uns intensiver mit bio-veganer Landwirtschaft beschäftigt haben, mussten wir feststellen, dass die Realität etwas komplizierter ist. Tatsächlich sind viele Bio-Produkte zwar pflanzlich, wurden jedoch mit Hilfe von Betriebsmitteln erzeugt, die tierischen Ursprungs sind.
Deshalb sind Bio und vegan zwei unterschiedliche Dinge – auch wenn sie auf den ersten Blick ähnlich erscheinen mögen.
Bio und vegan beschreiben unterschiedliche Aspekte
Der ökologische Landbau verfolgt das Ziel, möglichst umweltverträglich zu wirtschaften. Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und viele künstliche Düngemittel sind nicht erlaubt. Stattdessen setzt der Bio-Anbau auf natürliche Kreisläufe und organische Düngung.
Vegan bedeutet dagegen, dass keine tierischen Produkte oder tierischen Bestandteile verwendet werden. Diese beiden Ansätze überschneiden sich zwar häufig, sind aber nicht identisch.
Ein Apfel kann biologisch angebaut worden sein und trotzdem von einem Baum stammen, der mit tierischen Düngern versorgt wurde.
Tierische Dünger sind im Bio-Anbau erlaubt
Was viele Menschen überrascht: Im ökologischen Landbau sind zahlreiche tierische Düngemittel zugelassen.
Dazu gehören beispielsweise Mist, Gülle und Jauche aus der Tierhaltung. Auch Hornspäne, Hornmehl oder andere Produkte tierischen Ursprungs dürfen unter bestimmten Voraussetzungen eingesetzt werden.
Aus Sicht der Bio-Verordnung ist das völlig zulässig. Deshalb bedeutet ein Bio-Siegel nicht automatisch, dass bei der Erzeugung vollständig auf tierische Bestandteile verzichtet wurde.
Warum wir einen anderen Weg gewählt haben
Auf unserem Hof verfolgen wir einen bio-veganen Ansatz. Das bedeutet, dass wir nicht nur ökologisch wirtschaften, sondern gleichzeitig auf tierische Dünger und andere Betriebsmittel tierischen Ursprungs verzichten.
Stattdessen setzen wir auf pflanzliche Kreisläufe, Leguminosen, Mulchmaterial und Humusaufbau. Unser Ziel ist es, die Bodenfruchtbarkeit möglichst direkt über Pflanzen und Bodenleben zu fördern.
Was Verbraucher wissen sollten
Wer sich rein pflanzlich ernährt, denkt häufig zuerst an die Zutaten eines Lebensmittels. Die Frage, wie diese Lebensmittel angebaut wurden, gerät dagegen oft in den Hintergrund.
Dabei lohnt sich ein genauer Blick. Denn zwischen einem biologisch erzeugten Produkt und einem bio-vegan erzeugten Produkt bestehen Unterschiede, die für manche Verbraucher eine wichtige Rolle spielen können.
Zwei Begriffe, zwei Perspektiven
Bio und vegan verfolgen ähnliche Ziele, beschreiben jedoch unterschiedliche Aspekte der Lebensmittelproduktion. Während Bio vor allem auf ökologische Kriterien achtet, beschäftigt sich bio-veganer Anbau zusätzlich mit der Frage, ob tierische Betriebsmittel überhaupt notwendig sind.
Genau diese Frage hat uns letztlich dazu bewegt, unseren eigenen Weg einzuschlagen.