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Vom Acker zum Eidechsenparadies

Wenn man zum ersten Mal eine ehemals konventionell bewirtschaftete Fläche betritt, spürt man oft eine merkwürdige Stille. Kein Summen, kein Rascheln im Gras, keine Eidechse, die über einen Stein huscht. Genau eine solche Fläche haben wir vor einigen Jahren übernommen, um dort unsere ersten Walnusshaine anzulegen. Und was danach passierte, hat uns selbst überrascht, obwohl wir es eigentlich erhofft hatten.

Im Grunde konnten wir schon ab Tag eins sehen, wie wir aus ehemals konventionellen Flächen ein kleines Ökoparadies erschaffen. Weil die Artenvielfalt da wieder reinzubekommen auf die Fläche, das ging relativ schnell. Wenn sofort Lebensräume, geeignete Lebensräume da sind, dann kommen die Tiere auch wieder, können sich reproduzieren und fühlen sich wohl. Diese Beobachtung war für uns eine der ermutigendsten Erfahrungen der letzten Jahre. Man geht oft davon aus, dass ökologische Wiederherstellung Jahrzehnte braucht. Bei der Artenvielfalt an der Oberfläche stimmt das nicht unbedingt.

Wenn wir immer wieder einen neuen Nusshain anlegen, dann werden ganz gezielt Lebensräume geschaffen für Tiere. Das sind Holzhaufen, das sind Steinhaufen, die Mulchscheibe um den Baum ist aber auch Lebensraum. Es ist insofern interessant, weil man sehr schnell beobachten kann, wie schnell sich Tiere, wie Eidechsen, wieder ansiedeln. Und unser Hain ist sozusagen das Eidechsenparadies. Diese kleinen, unscheinbaren Strukturelemente wirken wie Initialzündungen für ein ganzes Beziehungsgeflecht aus Tieren, die sich gegenseitig brauchen und im Gleichgewicht halten.

Interessant ist dabei, dass sich der Effekt mit der Zeit verstärkt, statt abzuschwächen. Im Laufe der Jahre, so wie die Bäume wachsen, werden die Bäume selbst zu Lebensraum. Durch ihre große Krone bieten sie Vögeln und anderen Tieren Schutz und Beschattung an. Aus einer einzelnen Maßnahme wie einem Steinhaufen wird über die Jahre ein vielschichtiges System aus bodennahen, mittleren und hohen Lebensräumen, die unterschiedlichsten Arten gerecht werden.

Ökologisch betrachtet handelt es sich dabei um ein klassisches Prinzip der Habitatvernetzung: Je mehr unterschiedliche Kleinstrukturen (Totholz, Steine, Mulch, Baumkronen) auf engem Raum verfügbar sind, desto stabiler wird das gesamte Nahrungsnetz. Räuber wie Eidechsen oder Vögel halten die Population potenzieller Schädlinge auf natürliche Weise im Gleichgewicht, ganz ohne chemischen Eingriff. Durch diese vielfältigen Strukturen, diese vielfältigen Lebensräume, kommen am Ende ausgeglichene Kreisläufe zustande, sodass man nicht befürchten muss, dass einzelne Tiere oder sogenannte Schädlinge die Überhand gewinnen könnten.

Diese Beobachtung zeigt auch, warum wir konsequent von „Hainen“ statt von „Plantagen“ sprechen. Eine Plantage ist auf maximale Flächeneffizienz für eine einzige Kultur ausgelegt. Ein Hain hingegen ist ein Lebensraum, in dem der Baum nur ein Teil eines größeren, funktionierenden Systems ist.

Sensorische Beobachtung: Ein Spaziergang durch den Hain

Wer heute zwischen unseren Bäumen steht, hört ein leises, stetiges Grundrauschen aus Insekten, sieht Eidechsen über die sonnenwarmen Steinhaufen huschen und entdeckt zwischen dem Mulchmaterial oft kleine Käfer, die sich dort verstecken. Es ist ein deutlicher, fast greifbarer Unterschied zur stillen, monotonen Fläche, die früher an dieser Stelle lag.

Wer unsere Haine einmal selbst besuchen möchte, findet über unsere Baum- und Feldpatenschaften einen direkten Zugang zu genau diesem lebendigen Stück Land.