Am Ende einer langen Reihe von Überlegungen zu Herstellung, Qualität und Preis von Walnussöl bleibt eine grundsätzliche Frage: Lohnt sich der spürbar höhere Preis eines echten, kaltgepressten Walnussöls gegenüber einem günstigen, raffinierten Alternativprodukt tatsächlich, wenn man die Sache nüchtern betrachtet?
Die hochwertigen Fette des Walnussöls stellen eine sehr wichtige Nahrungsquelle dar, insbesondere für Menschen, die sich bio-vegan oder generell pflanzenbasiert ernähren und auf tierische Fettquellen verzichten. Walnussöl liefert einen hohen Anteil an essenziellen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die der Körper nicht selbst herstellen kann und über die Nahrung aufnehmen muss. Diese Fettsäuren erfüllen wichtige Funktionen als Bausteine von Zellmembranen und als Ausgangsstoffe für verschiedene Stoffwechselprozesse.
Der entscheidende Unterschied zwischen einem günstigen, raffinierten Öl und einem echten, kaltgepressten Öl liegt dabei weniger im reinen Fettsäuremuster, das bei beiden Varianten grundsätzlich ähnlich ist, sondern in den Begleitstoffen: Kaltpressung erfolgt ausschließlich mit mechanischem Verfahren bei Temperaturen unter 28 Grad Celsius, wodurch hitzeempfindliche Vitamine wie Vitamin E sowie zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe wie die charakteristischen Polyphenole erhalten bleiben, die bei der Raffination größtenteils verloren gehen.
Diese Polyphenole, die auch für die charakteristische, leichte Bitterkeit im Geschmack verantwortlich sind, gelten in der Ernährungswissenschaft als Antioxidantien, die dazu beitragen können, freie Radikale im Körper abzufangen. Ein Öl, das diese Begleitstoffe noch in vollem Umfang enthält, bietet somit potenziell einen breiteren ernährungsphysiologischen Nutzen als ein raffiniertes Öl, das im Wesentlichen nur noch aus den reinen Fettmolekülen besteht.
Wirtschaftlich betrachtet lässt sich der höhere Preis direkt auf den größeren Aufwand zurückführen: die Verwendung ausschließlich hochwertiger Kerne, vergleichbar mit Handelsklasse 1, die vergleichsweise geringe Ausbeute von zwei bis drei Kilogramm Kernen pro Liter Öl, sowie den arbeitsintensiven, in weiten Teilen manuellen Herstellungsprozess von der Ernte über die Trocknung bis zur sofortigen, lichtgeschützten Abfüllung.
Ob sich diese Investition lohnt, hängt letztlich von der eigenen Priorität ab: Wer bereit ist, für ein nährstoffreicheres, geschmacklich charaktervolleres Produkt etwas mehr zu bezahlen, bekommt im Gegenzug ein Öl, das deutlich mehr von seinem ursprünglichen, natürlichen Wert bewahrt hat als ein industriell optimiertes, günstiges Alternativprodukt.