Ein Bio-Siegel auf der Verpackung schafft Vertrauen – doch was genau garantiert ein solches Zertifikat eigentlich, und was sagt es nicht aus? Gerade bei einem Nischenprodukt wie Walnussöl lohnt sich ein genauerer Blick darauf, welche Aspekte der Qualität durch ein Bio-Siegel tatsächlich abgedeckt sind und welche nicht.
Bio-Zertifizierungen, wie sie in der EU nach der EU-Öko-Verordnung vergeben werden, beziehen sich in erster Linie auf den landwirtschaftlichen Anbau: den Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide und Düngemittel, auf gentechnisch veränderte Organismen sowie auf bestimmte Mindeststandards bei der Verarbeitung. Sie garantieren also, dass die Walnüsse ohne den Einsatz konventioneller Pflanzenschutzmittel angebaut wurden und bestimmte Grenzwerte für Rückstände eingehalten werden.
Was ein reines Bio-Siegel jedoch nicht automatisch garantiert, ist die konkrete Herstellungsweise der Ölgewinnung selbst. Ob ein zertifiziertes Bio-Walnussöl tatsächlich schonend kaltgepresst wurde, bei welcher genauen Temperatur die Pressung erfolgte, oder ob nur die besten Kerne, vergleichbar mit Handelsklasse 1, verwendet wurden, lässt sich aus dem Bio-Siegel allein nicht ablesen. Auch ein Bio-zertifiziertes Öl kann grundsätzlich aus geringerwertigeren Kernen gepresst oder bei höheren Temperaturen verarbeitet worden sein, solange die grundlegenden Bio-Anbaukriterien erfüllt sind.
Auch der Aspekt „vegan“ wird durch ein reines Bio-Siegel nicht zwangsläufig abgedeckt. Bio-Anbau kann durchaus mit tierischen Düngemitteln wie Gülle oder Hornspänen arbeiten, was aus rein biologischer Sicht zulässig ist, aber nicht dem Anspruch eines konsequent bio-veganen Betriebs entspricht, wie wir ihn verfolgen. Als bio-veganer Betrieb stellen wir keine tierischen Fette her und verzichten auch beim Anbau auf tierische Ausgangsstoffe – ein zusätzliches Kriterium, das über die Anforderungen einer klassischen Bio-Zertifizierung hinausgeht.
Für Käufer bedeutet das: Ein Bio-Siegel ist ein sinnvoller erster Anhaltspunkt, insbesondere bezüglich des Verzichts auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, ersetzt aber keine genauere Recherche zur konkreten Herstellungsweise, wenn einem Aspekte wie Presstemperatur, Rohstoffqualität oder eine konsequent bio-vegane Wirtschaftsweise besonders wichtig sind.
Wer wirklich umfassende Transparenz sucht, sollte deshalb neben dem Bio-Siegel auch gezielt nach Informationen zur Presstemperatur, zur verwendeten Sortenqualität und zur gesamten landwirtschaftlichen Philosophie eines Hofes suchen.