Beim Einkauf orientieren sich viele Menschen instinktiv an der Optik, auch bei Walnüssen. Eine helle, gleichmäßige Schale wirkt automatisch hochwertiger als eine dunklere oder unregelmäßig gefärbte. Fachlich betrachtet ist diese Annahme jedoch nicht haltbar.
Was man mit Sicherheit sagen kann: Die Farbe der Schale sagt nichts über die Qualität aus. Und auch nicht unbedingt die Farbe des Walnusskerns. Denn die Farbe des Walnusskerns ist von mehreren Faktoren abhängig. Zum einen von der Sorte, denn nicht jede Sorte hat die gleiche Farbe. Und zweitens hängt es auch davon ab, ob die Walnuss früh im Herbst oder etwas später geerntet worden ist. Denn alle Walnüsse am Baum reifen ja nicht gleichzeitig, und da sieht man wieder eine Verfärbung beziehungsweise eine Änderung der Farbe.
Besonders trügerisch wird die Optik bei importierten Nüssen: Bei kalifornischen Walnüssen, die man im Discounter oder Lebensmittelhandel findet, sieht man sehr oft, dass die Schale perfekt gereinigt ist. Die Wahrheit ist, sie ist nicht perfekt gereinigt, sondern wurde gebleicht. Diese Nüsse wurden gebleicht und begast, um den langen Transport zu überstehen, sind optisch aber makellos. Eine makellose, helle Schale kann also im Zweifel eher ein Hinweis auf eine chemische Nachbehandlung sein als auf besondere natürliche Qualität.
Auf der anderen Seite gibt es auch Nüsse, die besonders klein oder ungleichmäßig gewachsen sind. Bei solchen Nüssen handelt es sich meistens um Zufallssorten, die sich oft sehr schlecht knacken lassen und häufig einen überproportional hohen Bitterstoffanteil aufweisen, sodass das angenehm Nussige gar nicht mehr zu schmecken ist. Auch hier lässt allein die äußere Erscheinung noch keinen zuverlässigen Rückschluss auf die tatsächliche Qualität zu.
Das Fazit daraus ist ebenso einfach wie ernüchternd: Optisch gesehen ist es nicht immer einfach, auf die Qualität einer Walnuss zu schließen. Es gibt zwar Hinweispunkte, etwa eine auffällig makellose Schale bei Importware oder eine ungewöhnlich kleine, schwer zu knackende Nuss bei Zufallssorten, doch allein durch die Optik lässt sich noch wenig sagen. Verlässlicher als die Farbe sind letztlich Herkunft, Anbauweise und Sortenwissen, also Informationen, die sich eben nicht auf einen Blick erkennen lassen, sondern Vertrauen in den Erzeuger voraussetzen.