Wer heute durch den Supermarkt geht, findet Kichererbsen längst nicht mehr nur im Regal für internationale Spezialitäten. Hummus, Falafel oder Kichererbsensalate haben ihren festen Platz in vielen Küchen gefunden. Umso überraschender ist für viele Menschen die Erkenntnis, dass Kichererbsen auf deutschen Feldern noch immer eine Seltenheit sind.
Dabei können Kichererbsen durchaus in Deutschland wachsen. Wir bauen sie selbst an und erleben jedes Jahr aufs Neue, wie gut diese Kulturpflanze mit bestimmten Bedingungen zurechtkommt. Gleichzeitig zeigt der Anbau aber auch, warum man Kichererbsen hierzulande noch längst nicht überall findet.
Eine Pflanze für trockene Standorte
Die Suche nach geeigneten Kulturen für unsere sandigen Böden hat uns überhaupt erst zu den Kichererbsen geführt.
Viele klassische Kulturpflanzen geraten auf trockenen Standorten schnell an ihre Grenzen. Kichererbsen hingegen stammen ursprünglich aus Regionen, in denen Trockenheit zum Alltag gehört. Mittlerweile gibt es verschiedene Sorten, die auch für mitteleuropäische Bedingungen geeignet sind.
Als wir uns für den Anbau entschieden, haben wir bewusst eines unserer sandigsten und trockensten Felder ausgewählt. Genau dort überraschten uns die Pflanzen positiv. Die Kichererbsen keimten zuverlässig und entwickelten sich auf dem Standort erstaunlich gut.
Gerade in Brandenburg mit seinen oft trockenen und warmen Sommern finden Kichererbsen Bedingungen vor, mit denen sie gut zurechtkommen.
Warum der Anbau trotzdem schwierig bleibt
Wer jetzt denkt, Kichererbsen seien die perfekte Kulturpflanze für die Zukunft, sollte einen wichtigen Punkt kennen: Der Anbau ist alles andere als risikolos.
Im ökologischen Landbau verzichten wir bewusst auf chemische Pflanzenschutzmittel. Beikräuter werden ausschließlich mechanisch reguliert. Bei Kichererbsen ist das jedoch nur begrenzt möglich. Sobald die Pflanzen angewachsen sind, wird jede Bearbeitung schwieriger.
Kommt dann ein verregneter Sommer hinzu, wachsen die Beikräuter oft deutlich schneller als die Kichererbsen selbst. Im schlimmsten Fall werden die Bestände überwuchert und die Erträge brechen stark ein.
Genau deshalb sind Kichererbsen trotz ihrer Vorteile noch keine Massenkultur auf deutschen Feldern. Sie können hervorragende Erträge liefern – aber eben nicht in jedem Jahr.
Zwischen Hoffnung und Risiko
Wer Kichererbsen anbaut, muss mit stärkeren Schwankungen leben als bei vielen etablierten Kulturen.
Es wird Jahre geben, in denen die Erträge sehr gut ausfallen. Und es wird Jahre geben, in denen Regen und Beikrautdruck die Ernte deutlich reduzieren oder sogar weitgehend zunichtemachen.
Für viele landwirtschaftliche Betriebe ist das ein Risiko, das man nicht auf der gesamten Fläche eingehen möchte. Deshalb würden wir Kichererbsen heute eher als interessante Ergänzung empfehlen als als alleinige Zukunftskultur.
Gerade auf trockenen, sandigen Böden können sie jedoch eine spannende Option sein.
Die größte Überraschung: Kichererbsen aus Deutschland
Wenn wir mit Kunden oder Besuchern über unsere Kichererbsen sprechen, hören wir immer wieder dieselbe Reaktion: „Kichererbsen wachsen in Deutschland?“
Viele Menschen verbinden die Kulturpflanze automatisch mit südlichen Ländern. Dass sie unter den richtigen Bedingungen auch hierzulande gedeihen kann, überrascht viele.
Interessanterweise müssen wir den Nutzen der Kichererbse kaum erklären. Sie ist längst Teil vieler Speisepläne geworden. Die eigentliche Überraschung ist nicht die Kichererbse selbst, sondern ihre Herkunft.
Die Rückmeldungen auf unsere erste Ernte waren deshalb durchweg positiv. Viele Kunden freuen sich über die Möglichkeit, ein Lebensmittel kaufen zu können, das sie bereits kennen und schätzen – nur eben aus regionalem Anbau.
Haben Kichererbsen in Deutschland Zukunft?
Wir glauben: Ja.
Nicht weil Kichererbsen jede andere Kultur ersetzen werden. Sondern weil sie Eigenschaften mitbringen, die in Zeiten zunehmender Wetterextreme interessant werden. Trockene Sommer, leichte Böden und der Wunsch nach regional erzeugten pflanzlichen Eiweißquellen könnten künftig eine größere Rolle spielen als heute.
Ob wir in zehn Jahren deutlich mehr Kichererbsen auf deutschen Feldern sehen werden, hängt allerdings nicht nur von den Landwirten ab. Entscheidend wird auch sein, wie Verbraucher auf regionale Kichererbsen reagieren und ob sie bereit sind, diesen Anbau langfristig zu unterstützen.
Wir sind jedenfalls zuversichtlich. Denn manchmal entstehen die spannendsten Kulturpflanzen genau dort, wo zunächst nur wenige Menschen hinschauen.