Der klassische Nährstoffkreislauf
Wer sich mit ökologischer Landwirtschaft beschäftigt, stellt früher oder später fest, dass Bio nicht automatisch bedeutet, dass auf tierische Dünger verzichtet wird. Tatsächlich gehören Mist, Gülle und andere tierische Düngemittel für viele Betriebe ganz selbstverständlich zum Alltag. Auch im ökologischen Landbau sind sie weit verbreitet und innerhalb der geltenden Richtlinien erlaubt.
Auf unserem Hof haben wir uns dennoch bewusst für einen anderen Weg entschieden. Wir arbeiten bio-vegan und verzichten vollständig auf Mist, Gülle, Jauche sowie auf Düngemittel aus Schlachtabfällen. Diese Entscheidung hat mehrere Gründe – von der Bodenfruchtbarkeit über die Ressourceneffizienz bis hin zu unserem Umgang mit Tieren.
Über Jahrhunderte waren Tierhaltung und Ackerbau eng miteinander verbunden. Tiere fraßen Gras, Heu oder andere Pflanzen, und ihre Ausscheidungen gelangten später als Dünger zurück auf die Felder. Dieses System funktioniert bis heute und bildet die Grundlage vieler landwirtschaftlicher Betriebe.
Gleichzeitig stellt sich jedoch die Frage, ob dieser Umweg über das Tier zwingend notwendig ist. Wenn Pflanzen zunächst angebaut, anschließend verfüttert und später nur ein Teil der enthaltenen Nährstoffe wieder auf den Acker zurückgebracht wird, gehen unterwegs zwangsläufig Ressourcen verloren.
Pflanzliche Kreisläufe statt tierischer Dünger
Auf unseren Flächen setzen wir auf pflanzliche Biomasse. Gras, Wildkräuter, Klee, Laub und Stroh werden nicht als Abfall betrachtet, sondern als wertvolle Ressource. Sie werden gemulcht, kompostiert oder direkt auf den Flächen belassen und gelangen so wieder zurück in den Boden.
Besonders wichtig sind dabei Leguminosen wie Klee. Diese Pflanzen können Stickstoff aus der Luft binden und helfen dabei, die Bodenfruchtbarkeit langfristig zu erhalten. Gleichzeitig liefern sie große Mengen an organischer Substanz, die später wieder dem Boden zugutekommt.
Unser Ziel ist ein möglichst geschlossener Kreislauf, bei dem die Fruchtbarkeit der Flächen vor allem durch Pflanzen und Bodenleben erhalten wird.
Der Boden profitiert von organischer Substanz
Wenn wir über Düngung sprechen, denken viele Menschen zunächst an die Versorgung der Pflanzen. Für uns steht dagegen häufig der Boden im Mittelpunkt.
Ein gesunder Boden ist ein lebendiges Ökosystem. Milliarden von Mikroorganismen, Pilzen, Bakterien und Bodentieren sorgen dafür, dass organisches Material zersetzt und wieder verfügbar gemacht wird. Je mehr organische Substanz dem Boden zur Verfügung steht, desto aktiver werden diese natürlichen Prozesse.
Deshalb versuchen wir, möglichst viel pflanzliches Material auf den Flächen zu halten. Daraus entsteht Humus, der wiederum Wasser und Nährstoffe speichern kann und die Bodenstruktur verbessert.
Warum für uns keine Nutztierhaltung infrage kommt
Ein weiterer Grund für unseren Weg hat mit unserem Verhältnis zu Tieren zu tun.
Wir möchten Lebensmittel erzeugen, ohne dass dafür Tiere gehalten werden müssen. Wo keine Nutztierhaltung stattfindet, gibt es auch keine Tiere, die für unsere landwirtschaftliche Produktion gezüchtet, transportiert oder geschlachtet werden müssen.
Für uns ist das ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit. Es geht dabei nicht darum, andere Formen der Landwirtschaft zu verurteilen. Jeder Betrieb trifft seine eigenen Entscheidungen und arbeitet unter unterschiedlichen Bedingungen. Wir haben uns jedoch bewusst für einen Weg entschieden, bei dem die Pflanzenproduktion unabhängig von der Tierhaltung funktioniert.
Dadurch können wir hochwertige Lebensmittel erzeugen und gleichzeitig Tierleid vermeiden, das mit der Haltung und Nutzung von Nutztieren verbunden sein kann.
Weniger Abhängigkeit von externen Betriebsmitteln
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass wir viele Ressourcen direkt auf dem Hof erzeugen können. Klee, Mulchmaterial, Pflanzenreste und andere Biomasse fallen ohnehin auf unseren Flächen an.
Je besser diese Kreisläufe funktionieren, desto weniger externe Betriebsmittel werden benötigt. Das macht den Betrieb unabhängiger und stärkt die langfristige Stabilität der Bewirtschaftung.
Gerade in Zeiten steigender Kosten und zunehmender Wetterextreme gewinnt diese Unabhängigkeit immer mehr an Bedeutung.
Unser Fazit
Der Verzicht auf Gülle und Mist ist für uns kein Selbstzweck. Er ist Teil eines größeren Ansatzes, bei dem wir versuchen, Landwirtschaft von den natürlichen Kreisläufen der Pflanzenwelt her zu denken.
Statt auf tierische Dünger setzen wir auf Klee, Mulch, Flächenkompost, Humusaufbau und ein aktives Bodenleben. Gleichzeitig ermöglicht uns dieser Weg eine Landwirtschaft ohne Nutztierhaltung und damit ohne Tiere, die für unsere Produktion gehalten werden müssen.
Unsere Erfahrung zeigt, dass dieser Ansatz funktionieren kann. Nicht weil wir auf etwas verzichten, sondern weil wir versuchen, Fruchtbarkeit auf andere Weise entstehen zu lassen.