Zum Hauptinhalt springen

Was bedeutet bio-veganer Anbau?

Wer unseren Hof besucht, stößt früher oder später auf einen Begriff, der selbst unter Menschen, die sich intensiv mit Landwirtschaft beschäftigen, noch immer Fragen aufwirft: bio-veganer Anbau.

Viele Besucher kennen Bio-Landwirtschaft. Manche haben schon von regenerativer Landwirtschaft gehört. Doch bio-vegan? Was bedeutet das eigentlich?

Die kurze Antwort lautet: Wir wirtschaften ökologisch, verzichten aber gleichzeitig vollständig auf tierische Dünger und andere Betriebsmittel tierischen Ursprungs. Kein Mist, keine Gülle, keine Jauche und auch keine Dünger aus Schlachtabfällen kommen auf unseren Feldern zum Einsatz. Stattdessen setzen wir auf pflanzliche Kreisläufe und versuchen, die Fruchtbarkeit unserer Böden mit Hilfe von Pflanzen, Bodenleben und organischer Biomasse aufzubauen und zu erhalten.

Doch hinter dieser kurzen Erklärung steckt deutlich mehr.

Bio bedeutet nicht automatisch vegan

Viele Menschen gehen davon aus, dass Obst, Gemüse oder Nüsse aus ökologischem Anbau automatisch vegan sind. Tatsächlich ist das häufig nicht der Fall.

Im ökologischen Landbau sind zahlreiche tierische Düngemittel erlaubt. Dazu gehören beispielsweise Mist, Gülle und Jauche aus der Tierhaltung. Daneben werden auch Produkte eingesetzt, die aus Schlachtabfällen hergestellt werden, etwa Hornmehl oder Blutmehl. Selbst manche pelletierten Dünger enthalten Bestandteile tierischen Ursprungs.

Das ist innerhalb der Bio-Verordnung völlig zulässig und wird von vielen Betrieben praktiziert.

Wir haben uns jedoch bewusst für einen anderen Weg entschieden.

Warum wir auf tierische Dünger verzichten

Unsere Entscheidung entstand nicht aus dem Wunsch heraus, etwas besonders Außergewöhnliches zu machen. Vielmehr haben wir uns die Frage gestellt, ob Nährstoffkreisläufe auch ohne den Umweg über Nutztiere funktionieren können.

Wenn Pflanzen zunächst angebaut werden, anschließend von Tieren gefressen werden und später nur ein Teil der aufgenommenen Nährstoffe als Mist oder Gülle zurückkehrt, geht ein erheblicher Teil der ursprünglich vorhandenen Energie verloren. Das Tier benötigt diese Energie schließlich für seine eigenen Lebensprozesse.

Deshalb versuchen wir, pflanzliche Biomasse möglichst direkt zu nutzen.

Gras, Wildkräuter, Laub, Stroh und andere pflanzliche Materialien werden bei uns nicht als Abfall betrachtet. Sie sind wertvolle Rohstoffe, die dem Boden wieder zurückgegeben werden können. Aus ihnen entsteht Humus, sie schützen die Bodenoberfläche und dienen unzähligen Bodenorganismen als Nahrungsquelle.

Für uns ist das ein logischer Kreislauf: Was auf der Fläche wächst, soll möglichst wieder Teil derselben Fläche werden.

Kann das überhaupt funktionieren?

Diese Frage hören wir regelmäßig.

Viele Menschen haben gelernt, dass fruchtbare Böden zwingend tierischen Mist benötigen. Tatsächlich war die Kombination aus Tierhaltung und Ackerbau über Jahrhunderte hinweg die Grundlage vieler landwirtschaftlicher Betriebe.

Doch die Natur kennt mehr als einen Weg.

Eine zentrale Rolle spielen bei uns Leguminosen. Dazu gehören beispielsweise verschiedene Kleearten. Diese Pflanzen besitzen die besondere Fähigkeit, mit Hilfe von Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft zu binden und für das Pflanzenwachstum verfügbar zu machen.

Klee liefert jedoch nicht nur Stickstoff. Gleichzeitig produziert er große Mengen an Biomasse, die später als Mulchmaterial oder Flächenkompost genutzt werden kann.

Dadurch entsteht ein Kreislauf, bei dem Pflanzen nicht nur Nährstoffe verbrauchen, sondern aktiv zur Fruchtbarkeit des Bodens beitragen.

Unsere Erfahrung zeigt, dass dieser Ansatz funktioniert. Allerdings erfordert er Geduld, Beobachtung und die Bereitschaft, langfristig zu denken.

Der Boden steht im Mittelpunkt

Während in vielen Diskussionen über Landwirtschaft vor allem die Pflanzen im Mittelpunkt stehen, betrachten wir den Boden als Ausgangspunkt.

Ein gesunder Boden besteht nicht nur aus Sand, Lehm oder Ton. Er ist ein lebendiges Ökosystem.

Milliarden von Mikroorganismen, Pilzen, Bakterien und Bodentieren sorgen dafür, dass organisches Material zersetzt und wieder verfügbar gemacht wird. Je aktiver dieses Bodenleben ist, desto besser können Nährstoffe gespeichert und bereitgestellt werden.

Deshalb versuchen wir, möglichst viel organische Substanz auf unseren Flächen zu halten.

Mulchschichten schützen den Boden vor Austrocknung. Pflanzenreste werden wieder eingearbeitet oder verbleiben auf der Fläche. Laub und Stroh dienen als Nahrung für Bodenorganismen. Schritt für Schritt entsteht daraus neuer Humus.

Gerade auf unseren teilweise sehr sandigen Standorten ist das von besonderer Bedeutung.

Bio-veganer Anbau und Klima

Ein weiterer Aspekt betrifft die Flächennutzung.

Weltweit wird ein großer Teil der landwirtschaftlichen Fläche direkt oder indirekt für die Tierhaltung genutzt. Entweder als Weideland oder zum Anbau von Futtermitteln.

Bio-veganer Anbau verfolgt einen anderen Ansatz. Pflanzliche Biomasse soll möglichst direkt für die menschliche Ernährung oder für den Aufbau fruchtbarer Böden genutzt werden.

Dadurch können Flächen effizienter genutzt werden. Gleichzeitig sinkt der Bedarf an Betriebsmitteln, die außerhalb des eigenen Betriebes erzeugt werden müssen.

Für uns ist das kein theoretisches Konzept, sondern Teil unseres täglichen Handelns auf dem Feld.

Pionierarbeit in Berlin-Brandenburg

Als wir diesen Weg eingeschlagen haben, gab es in unserer Region kaum vergleichbare Betriebe.

Wir gehören zu den ersten bio-vegan wirtschaftenden landwirtschaftlichen Betrieben in Berlin-Brandenburg. Das bedeutet, dass viele Lösungen nicht einfach aus Lehrbüchern übernommen werden konnten.

Stattdessen mussten wir beobachten, ausprobieren und lernen.

Welche Pflanzen eignen sich besonders gut als Mulchmaterial? Wie lassen sich Nährstoffkreisläufe stabil halten? Welche Kulturen profitieren besonders von diesem System? Wo liegen die Grenzen?

Viele Antworten entstehen erst durch praktische Erfahrung.

Gerade das macht diesen Weg für uns spannend. Landwirtschaft entwickelt sich ständig weiter. Mit jeder Saison lernen wir unsere Böden, Pflanzen und Kreisläufe besser kennen.

Unser Fazit

Bio-veganer Anbau bedeutet für uns weit mehr als den Verzicht auf tierische Dünger.

Es ist der Versuch, Landwirtschaft konsequent von den natürlichen Kreisläufen der Pflanzenwelt her zu denken. Gras, Klee, Wildkräuter, Laub und Stroh werden nicht als Nebenprodukte betrachtet, sondern als wertvolle Ressourcen. Sie helfen uns dabei, Humus aufzubauen, Bodenleben zu fördern und fruchtbare Böden für kommende Generationen zu erhalten.

Ob dieser Weg immer der einfachste ist? Wahrscheinlich nicht.

Aber unsere Erfahrung zeigt, dass Landwirtschaft auch ohne Mist, Gülle oder Schlachtabfälle funktionieren kann – wenn man bereit ist, genau hinzuschauen und mit der Natur statt gegen sie zu arbeiten.