Nicht jeder Walnussbaum, der irgendwo am Wegesrand oder im eigenen Garten steht, stammt aus gezielter Sortenzucht. Viele dieser Bäume sind sogenannte Zufallssorten, entstanden aus einer einzelnen, zufällig gekeimten Nuss. Woran lässt sich das erkennen, und was bedeutet das für die Qualität der geernteten Nüsse?
Früher gab es in Deutschland vor 100 Jahren Walnussbestände, meistens auf Höfen, wo es immer ein paar Bäume gab. Man muss dazu sagen, dass es damals nicht diese Tafelsorten, diese Edelsorten gab, die heute angeboten werden, sondern am Hof standen eher Zufallssorten. Diese Bäume entstanden also nicht durch bewusste Veredelung, sondern einfach dadurch, dass irgendwann eine Nuss im Boden gekeimt und sich zu einem Baum entwickelt hatte.
Die typischen Merkmale solcher Zufallssorten sind in der Praxis deutlich erkennbar: Die waren nicht in allen Fällen qualitativ sehr gut, manchmal sehr bitter, manchmal sehr klein, manchmal sehr schwer zu knacken. Auch optisch lassen sich solche Nüsse häufig identifizieren: Merkt man, dass Nüsse besonders klein sind, die vielleicht ungewachsen sind, dann handelt es sich meistens zumindest um Zufallssorten. Und diese bringen oft mit sich, dass sie sich sehr schlecht knacken lassen, dass man nur mit Mühe dann den Nusskern aus der Schale bekommt, und oft haben sie einen überproportional hohen Bitterstoffanteil, sodass das angenehm Nussige gar nicht mehr zu schmecken ist.
Der biologische Grund für diese große Bandbreite an Eigenschaften liegt in der genetischen Vielfalt, die bei der geschlechtlichen Vermehrung über Samen entsteht: Nur selten hat die Nuss die gleichen genetischen Eigenschaften wie der Mutterbaum, sodass jeder aus einer Nuss gewachsene Baum genetisch ein Unikat mit unvorhersehbaren Eigenschaften darstellt. Manche dieser Zufallsbäume tragen zufällig recht ordentliche Nüsse, viele andere aber eben nicht, ohne dass man dies vorher hätte wissen können.
Für den praktischen Umgang bedeutet das: Wer eine besonders kleine, schwer knackbare und intensiv bittere Walnuss in der Hand hält, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Nuss von einer Zufallssorte vor sich, nicht von einer gezielt gezüchteten Tafelsorte. Diese Unterscheidung erklärt auch, warum professionell wirtschaftende Betriebe heute fast ausschließlich auf veredelte, bekannte Sorten setzen: Nur so lässt sich die Qualität, die Größe und die Knackbarkeit der Nuss zuverlässig vorhersagen, statt dem genetischen Zufall einer Sämlingsvermehrung überlassen zu bleiben.