Es gibt Tage im Jahr, an denen auf dem Hof plötzlich alles anders läuft. Die Ruhe der vorangegangenen Wochen weicht einer konzentrierten Betriebsamkeit, bei der jede Minute zählt. Das ist die Walnussernte. Sie kündigt sich nicht mit großem Vorlauf an, sondern mit einem einzigen Beobachtungsmoment: Wenn wir merken, es ist soweit, dann rückt das Ernteteam an.
Die Ernte selbst folgt einem festen technischen Ablauf. Die Bäume werden mit hydraulischen Armen geschüttelt und die Nüsse in Netzen, die darunter ausgelegt werden, aufgefangen. Was von außen wie ein einfacher, fast unspektakulärer Vorgang aussieht, erfordert in Wahrheit ein präzises Timing und ein eingespieltes Team, das genau weiß, wo die Netze liegen müssen und wie der Schüttelarm den Baum am schonendsten erfasst.
Kompliziert wird es dadurch, dass die Natur sich nicht an unseren Zeitplan hält. Meistens sind am selben Baum verschiedene Reifestadien vorhanden. Wir finden Nüsse, die schon ganz ausgereift sind und schon vom Baum fallen, und auf dem gleichen Baum noch Nüsse, die noch fest in der Schale sitzen. Für uns bedeutet das, dass wir mindestens zwei, oft auch drei Erntegänge machen müssen, um möglichst viele Nüsse des Baumes zu bekommen. Ein einziger Erntetermin würde also immer einen Teil der Ernte entweder zu früh oder zu spät erfassen.
Nach dem Schütteln und Auffangen ist die Arbeit noch lange nicht getan. Diese Nüsse werden danach grob sortiert, von der Schale befreit, gewaschen und anschließend schonend getrocknet. Zwischen dem Moment, in dem die Nuss vom Baum fällt, und dem Moment, in dem sie tatsächlich versandfertig ist, liegen also mehrere Arbeitsschritte, die alle von Hand oder mit größter Sorgfalt begleitet werden müssen.
Organisatorisch ist das für uns jedes Jahr eine große Herausforderung. Wir müssen dann binnen kürzester Zeit alle Ressourcen abrufen, die wir haben, sei es maschinell, sei es an saisonalen Arbeitskräften, damit wir innerhalb dieser kurzen Zeit, in der die zwei bis drei Erntegänge stattfinden, auch in der Lage sind, die Nüsse zeitnah zu ernten. Das ist ein Problem, mit dem viele Landwirtschaftsbetriebe zu kämpfen haben: Es gibt Spitzenzeiten, in denen ganz viel Arbeit anfällt, und danach flacht es im Winter wieder ab.
Diese Spannung zwischen wenigen intensiven Erntewochen und den ruhigeren Monaten davor und danach prägt den Rhythmus des gesamten Hofjahres. Man merkt regelrecht, wie sich die Anspannung im Team über die Erntetage hinweg aufbaut, dann in konzentrierte Arbeit übergeht und am Ende, wenn die letzten Nüsse sicher in der Trocknung liegen, einer erschöpften Erleichterung weicht.
Der Ablauf eines Erntegangs im Überblick
- Beobachtung der Reife: Der genaue Erntezeitpunkt wird laufend geprüft
- Schütteln mit hydraulischen Armen und Auffangen in ausgelegten Netzen
- Meist zwei bis drei Erntegänge pro Baum, da nicht alle Nüsse gleichzeitig reifen
- Grobsortierung direkt nach der Ernte
- Befreien von der Schale und Waschen
- Schonende Trocknung über mehrere Wochen